| Die Orgel des Knox Colleges
in Toronto
Die meisten guten Orgelprojekte entstehen im obern Stübchen eines
Orgelspielers. Sie verwirklichen sich nur selten, weil ein Orgelverkäufer
an die Tür klopfte. Das Projekt des Knox Colleges war
keine Ausnahme: Es war Dr. John Derksen, der Organist des Seminars,
der die Idee einer neuen Orgel gebar. Durch einen glücklichen
Zufall erfuhr er zudem das Nötige über das Bestehen einer geheimen
Orgelstiftung.
Die Richtung, die die meisten unserer Organsprojekte einnehmen werden
zuerst auch von den Spielern entschieden. Gerade wie es nicht interessant
ist für einen Architekten, ein Haus für eine Familie zu errichten
ohne zu wisen, wie diese im Haus leben wird, wäre es für einen
Orgelbauer nicht lohnenswert eine Orgel zu bauen, ohne den Geschmack und
die Erwartungen seines Spieler zu kennen.
Es war die besondere Vorliebe für die norddeutsch barocke Orgelmusik
des Collegeorganisten, die uns in Richtung einer nordischen Orgel verwies.
Zusätzlich konnten wir es uns leisten eine ziemlich stilreine Orgel
zu bauen, denn im Chor der Kappelles steht bereits eine Orgel von circa
1915, dem Baujahr des Semionars. Ausserdem gibt es einige andere Instrumente
auf dem angrenzenden Gelände der Universität Toronto.
Die Beschränkungen, die eine historisch gebaute Orgel auferlegen
könnte (zum Beispiel, das Fehlen einem Schwellkastens) verursachten
auch keine Probleme. Die zukünftige Orgel war hauptsächlich
für den Unterricht, für Hochschulzeremonien, für Gottesdienste
und für das Begleiten von kleinen Gruppen von Sängern und Instrumenten,
wie auch für Orgelkonzerte bestimmt.
Wir konnten uns also ohne Bedenken für eine historisch orientierte
Orgel entscheiden, ohne indessen zu Beginn das schwedische Beispiel
Johan Niclas Cahmans zu wählen. Irgendeine andere norddeutsche
Bauart wäre richtig gewesen, doch bewunderte ich Cahmans Orgel in
Leufsta Bruk und wurde zudem von meinem schwedischen Freund und Kollegen
Herwin Troje angeregt, ein Instrument nach Cahman zu bauen. Herr
Troje versorgte mich mit einer vollständigen Dokumentation über
Cahmans Bauweise und gab uns guten Rat während der Planung und dem
Bau der Orgel.
Die Orgel von Leufsta Bruk sollte also unser Modell für des Pfeifenwerk
sein, doch für das Gehäuse und den technischen Aufbau der Orgel
des Knoxcolleges entschieden wir unabhängig wie eine "historische"
Orgel gebaut werden soll. Abgesehen von dem gotischen Gehäuse
gibt es einige andere Abweichungen von der Cahmans Bauart, so z.B. der
zweigstöckige Pedalturm und die Hinzufügung eines Brustwerks,
das für die Interpretation der nord-europäischen Orgelliteratur
wünschenswert ist. Seine kurze Oktave passt ausserdem gut zum
"älteren" Karakter dieses Werks.
Weitere Personen, die wertvollen Rat für den Bau der Orgel des Knoxcolleges
gaben sind die Organisten John Derksen, John Grew, Bengt Hambraeus, Harald
Vogel und die Kollegen John Brombaugh, Gerhard Hradetzky, Mads Kjersgaard,
Johannes Rohlf, Jakob Schmidt, George Taylor und John Boody.
Die Orgel wurde vom folgenden Betriebspersonal gebaut: Claude Armand,
François Beauchemin, François Couture, Suzanne Giroux, Gérard
Gingras, Marguerite Howells, James Louder, Jens-Peter Petersen, Stephen
Sinclair und Hellmuth Wolff. Die Pfeifen wurden durch die Unternehmen
von Ulrich Meisinger und Martin Pasi hergstellt. Das Gehäuse und
das Konzept der Orgel wurden von Hellmuth Wolff entworfen, die Pläne
wurden von Denis Juget gezeichnet, die Schleiergitter zeichnete François
Beauchemin und wurden von Jean Dutin geschnitzt. Die Empore wurde
gemeinsam von dem Architekten Denis Lamarre und Hellmuth Wolff entworfen.
Weitere technische Daten dieser Orgel finden Sie auf folgender Webseite:
http://infopuq.uquebec.ca/~uss1010/orgues/canada/torontokcc.html
Literatur:
“The Historical Organ in America“, The Westfield Center (1984?,
vergriffen) In diesem Buch wurden 12 nord-amerikanische Orgeln, (worunter
die Knox College Orgel), von ihren Erbauern mit allen technischen Angaben
und Mensuren beschrieben. |