Opus 33, 1991

 
Die Orgel des Knox Colleges in Toronto

Die meisten guten Orgelprojekte entstehen im obern Stübchen eines Orgelspielers.  Sie verwirklichen sich nur selten, weil ein Orgelverkäufer an die Tür klopfte.  Das Projekt des  Knox Colleges war keine Ausnahme:  Es war Dr. John Derksen, der Organist des Seminars, der die Idee einer neuen Orgel gebar.  Durch einen glücklichen Zufall erfuhr er zudem das Nötige über das Bestehen einer geheimen Orgelstiftung.
 
Die Richtung, die die meisten unserer Organsprojekte einnehmen werden zuerst auch von den Spielern entschieden.  Gerade wie es nicht interessant ist für einen Architekten, ein Haus für eine Familie zu errichten ohne zu wisen, wie diese im Haus leben wird, wäre es für einen Orgelbauer nicht lohnenswert eine Orgel zu bauen, ohne den Geschmack und die Erwartungen seines Spieler zu kennen.
 
Es war die besondere Vorliebe für die norddeutsch barocke Orgelmusik des Collegeorganisten, die uns in Richtung einer nordischen Orgel verwies.  Zusätzlich konnten wir es uns leisten eine ziemlich stilreine Orgel zu bauen, denn im Chor der Kappelles steht bereits eine Orgel von circa 1915, dem Baujahr des Semionars. Ausserdem gibt es einige andere Instrumente auf dem angrenzenden Gelände der Universität Toronto. 
 
Die Beschränkungen, die eine historisch gebaute Orgel auferlegen könnte (zum Beispiel, das Fehlen einem Schwellkastens) verursachten auch keine Probleme. Die zukünftige Orgel war hauptsächlich für den Unterricht, für Hochschulzeremonien, für Gottesdienste und für das Begleiten von kleinen Gruppen von Sängern und Instrumenten, wie auch für Orgelkonzerte bestimmt.
 
Wir konnten uns also ohne Bedenken für eine historisch orientierte Orgel entscheiden,  ohne indessen zu Beginn das schwedische Beispiel Johan Niclas Cahmans zu wählen.  Irgendeine andere norddeutsche Bauart wäre richtig gewesen, doch bewunderte ich Cahmans Orgel in Leufsta Bruk und wurde zudem von meinem schwedischen Freund und Kollegen Herwin Troje angeregt, ein Instrument nach Cahman zu bauen.  Herr Troje versorgte mich mit einer vollständigen Dokumentation über Cahmans Bauweise und gab uns guten Rat während der Planung und dem Bau der Orgel.
 
Die Orgel von Leufsta Bruk sollte also unser Modell für des Pfeifenwerk sein, doch für das Gehäuse und den technischen Aufbau der Orgel des Knoxcolleges entschieden wir unabhängig wie eine "historische" Orgel gebaut werden soll.  Abgesehen von dem gotischen Gehäuse gibt es einige andere Abweichungen von der Cahmans Bauart, so z.B. der zweigstöckige Pedalturm und die Hinzufügung eines Brustwerks, das für die Interpretation der nord-europäischen Orgelliteratur wünschenswert ist.  Seine kurze Oktave passt ausserdem gut zum "älteren" Karakter dieses Werks. 
 
Weitere Personen, die wertvollen Rat für den Bau der Orgel des Knoxcolleges gaben sind die Organisten John Derksen, John Grew, Bengt Hambraeus, Harald Vogel und die Kollegen John Brombaugh, Gerhard Hradetzky, Mads Kjersgaard, Johannes Rohlf, Jakob Schmidt, George Taylor und John Boody. 
 
Die Orgel wurde vom folgenden Betriebspersonal gebaut:  Claude Armand, François Beauchemin, François Couture, Suzanne Giroux, Gérard Gingras, Marguerite Howells, James Louder, Jens-Peter Petersen, Stephen Sinclair und Hellmuth Wolff.  Die Pfeifen wurden durch die Unternehmen von Ulrich Meisinger und Martin Pasi hergstellt. Das Gehäuse und das Konzept der Orgel wurden von Hellmuth Wolff entworfen, die Pläne wurden von Denis Juget gezeichnet, die Schleiergitter zeichnete François Beauchemin und wurden von Jean Dutin geschnitzt.  Die Empore wurde gemeinsam von dem Architekten Denis Lamarre und Hellmuth Wolff entworfen. 

 
Weitere technische Daten dieser Orgel finden Sie auf folgender Webseite:


http://infopuq.uquebec.ca/~uss1010/orgues/canada/torontokcc.html
 
Literatur:

“The Historical Organ in America“, The Westfield Center (1984?, vergriffen) In diesem Buch wurden 12 nord-amerikanische Orgeln, (worunter die Knox College Orgel), von ihren Erbauern mit allen technischen Angaben und Mensuren beschrieben.   
 
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