Der Bau einer französischen Orgel
Von Hellmuth Wolff
Nach meiner Lehre bei Metzler & Söhne und den folgenden Jahren
auf der Walz in Holland und Österreich war mir die französische
Orgel noch vollkommen unbekannt. Erst in den frühen Sechzigerjahren,
als ich in Neu England arbeitete, hörte ich zum ersten Mal den
Klang einer französischen Orgel. Charles Fisk spielte mir die Langspielplatten,
die von seinem Freund Melville Smith auf der Silbermann-Orgel im elsässischen
Mauersmünster aufgenommen wurden.
Als ich einige Monate später in St. Hyacinthe landete, waren die
Pläne einer drei-manualigen Orgel für die Pfarrkirche von
St. Pascal in der Bas-du fleuve geannten Gegend meine erste
Aufgabe in der Firma Casavant (siehe: http://www.uquebec.ca/musique/orgues/quebec/spascalk.html).
Der Berater der Gemeinde war Antoine Bouchard, der uns in die faszinierende
Welt der französischen Barockorgel einführte. Die Firma Casavant
besitzt eine Originalausgabe von Dom Bédos
L’art de la facture d’orgues, doch 85 Jahre nach
deren Gründung war das erste Mal, dass eine Orgel nach den Abgaben
des berühmten Mönchs und Orgelbauers gebaut wurde. Wir bauten
indessen diese Orgel noch nicht mit allen typischen Merkmalen, wie etwa
die angehängte Traktur, doch bauten wir die Zungen mit u-förmigen
Kehlen. Ich erinnere mich sehr wohl an die Begeisterung, als Pr. Bouchard
uns besuchte und zum ersten Mal diese Trompeten hörte.
Nach zwei Jahren bei Casavant kehrte ich ins Heimatland zurück,
doch dieses Mal in die fanzösische Schweiz, von wo ich nun im benachbarten
Burgund und im Elsass französische Barockorgeln besichtigen konnte.
Es vergingen indessen mehrere Jahre, bis sich für mich eine Gelgenheit
bot, selber Orgeln auf französische Art zu bauen. Meine ersten
Orgeln zeugen bestimmt von meiner Bewunderung für diese Instrumente,
doch was er eine Englischsprechende Universität, die mir die Chance
bot, eine klassisch-französische Orgel zu bauen zu können.
Die Redpathhallorgel der Universität McGill sollte die erste „autenthische“
französische Barockorgel in Nordamerika werden; eine weitere von
Gene Bedient für eine Kirche im Staat Michigan gebaute Orgel wurde
kürzlich im Auditorium der Universität North Texas in Denton
(siehe: http://www.music.unt.edu/organ/)
aufgestellt und wird dort mit einer unserer nächsten Instrumente
„wetteifern“.
Der Bau der Redpathhallorgel war eine fabelhafte Sache. Nach 25 Jahren
bleibt sie eine der besten Beispiele unserer Arbeit und verschafft uns
weiterhin Freunde unter Musikern und Kollegen.
Die Fiskorgel der Universität Vermont wurde ein paar Jahre vor
der McGillorgel gebaut. Ihr Klang ist mit wenigen Ausnahmen eindeutig
französisch, doch verträt sein Gehäuse seinen Karakter
nicht. Dasselbe kann von später gebauten Thérien-Orgen im
Grand Séminaire in Montréal gesagt werden.